Kurskorrektur im Steigflug wird zum Wendepunkt

Mediative Moderation trägt zu Klarheit und Verständigung bei

Steigflug
Steig­flug | © bogey71 – Foto​lia​.com

Starts und Lan­dun­gen sind die anspruchs­vol­len Pha­sen in der Flie­ge­rei. Beim Auf­bau eines Unter­neh­mens ist gro­ße Auf­merk­sam­keit gera­de in der Start­pha­se gefragt. Schwach­stel­len, Miss­ver­ständ­nis­se oder ver­deck­te Kon­flik­te kön­nen lang­fris­ti­ge, kost­spie­li­ge Aus­wir­kun­gen haben. Gele­gent­lich wer­de ich in frü­hen Sta­di­en geru­fen, die Betei­lig­ten zu unter­stüt­zen. Im Som­mer 2011 war es ein Start­up in Süd­deutsch­land, spe­zia­li­siert auf die Ver­mitt­lung von Führungskräften.

Die Betei­lig­ten waren sich bei Grün­dung einig gewe­sen. Die Zie­le waren for­mu­liert, ein Busi­ness­plan geschrie­ben, das Unter­neh­men gegrün­det und eine Geschäfts­füh­re­rin gefun­den. Die Gesell­schaf­ter waren alle­samt sehr erfolg­rei­che Mana­ger in boo­men­den Bran­chen gewe­sen, hat­ten dort beacht­li­che Erfol­ge erzielt. Im neu­en Start­up woll­ten sie sich auf ihre Rol­le als Bei­rä­te beschrän­ken. Doch irgend­et­was lief nicht so, wie geplant und es mach­te sich Unmut breit. Jeder hat­te eige­ne Ideen und Ver­mu­tun­gen, was zu tun sei. Über das Für und Wider von Maß­nah­men wur­de häu­fig dis­ku­tiert – gar gestrit­ten. Ein Manage­ment-Coach riet dem Gesell­schaf­ter­bei­rat, jeman­den von außen zu holen. Ein Tag der Ver­stän­di­gung mit medi­ta­ti­ver Mode­ra­ti­on wur­de zu einem Wendepunkt.

Anhand der geäu­ßer­ten Mei­nun­gen wur­de mir eine häu­fig wie­der­keh­ren­de Situa­ti­on deut­lich: Dis­ku­tiert wur­den zu tref­fen­de Maß­nah­men – wie etwas zu tun und zu errei­chen sei. Und wie so oft dis­ku­tier­ten die Betei­lig­ten über Kurs­kor­rek­tu­ren und Maß­nah­men, ohne an die eigent­li­che Ursa­che ihres Unmuts zu kom­men. Bild­haft gespro­chen rei­ßen vie­le Hän­de gleich­zei­tig am Ruder – glau­ben, den rich­ti­gen Kurs und die erfolg­ver­spre­chen­de Rou­ter zu ken­nen. In die­sem Fall ging es jedoch um eine ande­re, noch ver­deck­te Ebene.

Worum geht es wirklich?

Der­ar­ti­ge Situa­tio­nen kann­te ich aus ande­ren Fäl­len, etwa wo es um Genera­tio­nen­wech­sel und Unter­neh­mens­nach­fol­ge ging. Wenn Unter­neh­mens­eig­ner oder Ver­ant­wort­li­che Auf­ga­ben abge­ben und dele­gie­ren, soll­ten sie die­se und die damit zusam­men­hän­gen­de Ver­ant­wor­tung wirk­lich abge­ben – und das Steu­er los­las­sen. Im Fall des süd­deut­schen Unter­neh­mens fehl­ten nur klei­ne aber wesent­li­che Zuta­ten, wie Wert­schät­zung und Ver­trau­en. Das wur­de mir anhand der Schil­de­rung der Geschäfts­füh­re­rin klar. Ihr war wich­tig, dass die Gesell­schaf­ter ihr wirk­lich das Ver­trau­en aus­spra­chen und ihre bis­he­ri­gen gro­ßen Bemü­hun­gen wert­schätz­ten. Auch, wenn die Ergeb­nis­se noch nicht den Erwar­tun­gen entsprachen.

Im über­tra­ge­nen Sinn geht es in sol­chen Situa­tio­nen dar­um, ein­an­der in die Augen zu schau­en und zu sagen: Ich sehe dich, ich akzep­tie­re dich und ich ver­traue dir, dass du dein Bes­tes gibst. Oder aber die Kon­se­quen­zen zu zie­hen, wenn ein bestimm­ter Punkt über­schrit­ten ist. In die­sem Fall war es noch nicht zu spät und das wech­sel­sei­ti­ge Aner­kennt­nis ein deut­li­cher Wendepunkt.

Heu­te, drei Jah­re spä­ter, bestä­tigt Geschäfts­füh­re­rin: ›Das Mee­ting sei­ner­zeit war der Wen­de­punkt zum Guten. Es war der Moment als wir zusam­men kamen. Auch danach, als die wirt­schaft­li­chen Zei­ten nicht ein­fach waren, haben wir uns an die­sen Moment der Gemein­sam­keit erin­nert. Die­ser Ter­min war auf jeden Fall hilf­reich.‹ Seit 2013 schreibt ihr Unter­neh­men schwar­ze, in 2014 sogar sehr gute Zahlen

Mediative Moderation als Erfolgsfaktor in der Startphase.

Nicht sel­ten enden Koope­ra­tio­nen, Part­ner­schaf­ten und Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se frü­her als not­wen­dig – bevor sie so rich­tig begin­nen. Oft sagen mir Betei­lig­te in Vor­ge­sprä­chen: ›Wenn wir dies­mal nicht zu Ergeb­nis­sen kom­men, stei­ge ich aus.‹ In allen Fäl­len hat es sich gelohnt, vor die­sem Schritt einen letz­ten Ver­such der Ver­stän­di­gung zu unter­neh­men – mit einem exter­nen Profi.

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Vie­len Dank.
Tom Mül­ler

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