Wer fragt, der führt …

Wie Gruppenintelligenz bei Veränderungen hilft – Teil 2

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Der ers­te Teil die­ser Bei­trags­se­rie beschäf­tig­te sich mit der Bereit­schaft, Ver­än­de­run­gen anzu­neh­men. Doch wie geht es dann wei­ter? Häu­fig erle­be ich, dass es erst ziem­lich schlimm wer­den muss, bis man sich auf den Weg macht. Dann höre ich Fra­gen wie: Wo fängt man an? Was zuerst und was danach? Wie sicher stel­len, nicht in den alten Trott zu ver­fal­len? Auch hier hilft die Weis­heit der Vie­len. Doch eins nach dem anderen …

In Grup­pen­in­tel­li­genz-Krei­sen beglei­te­te ich seit über zehn Jah­ren vie­le hun­dert Men­schen. Sie haben mutig ihre The­men ein­ge­bracht und oft auch bewäl­tigt. Ein struk­tu­rier­ter Ablauf hilft der Grup­pe, sich schnell einem Pro­blem zu nähern und eine Fül­le neu­er, oft ein­zig­ar­ti­ger Ideen und Ansät­ze zu ent­wi­ckeln. Die Effek­te spre­chen für sich – und die Rückmeldungen.

In vita­len Bespre­chun­gen und Grup­pen­in­tel­li­genz-Krei­sen tren­ne ich den Ablauf The­men­be­ar­bei­tung kon­se­quent in drei Phasen:

  • Urheber: ilze79 | 123RF Lizenzfreie Bilder #59918582 | http://de.123rf.com/profile_ilze79 | toy cubes with numbers 1,2,3 on whiteInfor­ma­ti­ons-Pha­se,
  • Krea­tiv-Pha­se,
  • Aus­wer­tungs-Pha­se.

Die­ser Teil der Bei­trags­se­rie ›Wie Grup­pen­in­tel­li­genz … hilft‹ beleuch­tet die Informations-Phase.

Informationen sind das Fundament für alles Weitere

Der öster­rei­chi­sche Kom­po­nist Anton Bruck­ner for­mu­lier­te plau­si­bel: ›Wer hohe Tür­me bau­en will, muss lan­ge beim Fun­da­ment ver­wei­len<. Soli­de Infor­ma­tio­nen sind die Basis – bes­ser Start­ram­pe – für den gesam­ten wei­te­ren Ablauf. Hier lohnt es sich, auf­merk­sam zu sein.

Die wich­tigs­te Infor­ma­ti­on ist: Wo soll es hin­ge­hen, was ist zu klä­ren, die Fra­ge, das The­ma? Gute Vor­aus­set­zun­gen sind die gemein­sa­me Aus­rich­tung auf und Zustim­mung zum Ziel, sowie ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis des­sel­ben. Dies gilt für vita­le Bespre­chun­gen mit Ergeb­nis­sen, agi­le Mit­ar­beit in Grup­pen, den gemein­sa­men Flow des Teams – eben gene­rell für Gruppenintelligenz.

In offe­nen Krei­sen wid­met sich die Grup­pe der Teil­neh­men­den aus­gie­big der Klä­rung des Auf­tra­ges. Meist hilft es, wenn das The­ma als Fra­ge for­mu­liert wird. Die­se Fra­gen sind und waren stets außer­ge­wöhn­lich viel­fäl­tig – im beruf­li­chen wie im pri­va­ten Kontext:

  • Wie kön­nen wir mehr neue Kun­den gewinnen?
  • Wie schaf­fe ich es, erfolg­reich in die Selbst­stän­dig­keit zu kommen?
  • Wie kom­men wir in die Gewinn­zo­ne mit Pro­dukt X?
  • Wie kann ich in Kon­flik­ten offen und fle­xi­bel bleiben?
  • Was kann ich tun, mei­ne Bezie­hung zu verbessern?
  • Wie dele­gie­re ich so, dass ich das bekom­me, wor­um ich bitte?
  • Wie kann ich mich ablö­sen und auf eige­ne Füße stellen?
  • Wie setz­te ich Gren­zen ohne zu verletzen?
  • Was muss ich tun, mei­ne Beru­fung zum Beruf zu machen? 
    • Und vie­le mehr.

Informationsaustausch bedingt Achtsamkeit und Konzentration

In der Infor­ma­ti­ons-Pha­se geht dar­um, alle not­wen­di­gen Fak­ten mit der Grup­pe zu tei­len. Der Kreis erfährt die Details zu Umfeld und His­to­rie des The­mas. Wie ist kon­kre­te Situa­ti­on, wie kam es dazu, was wur­de bis­her ver­sucht und geschah daraufhin?

Im Anschluss an die­se Pha­se haben alle Teil­neh­men­den die Auf­ga­be, wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen, eige­ne Fra­gen zu stel­len. Hier offen­bart sich eine typi­sche Fal­le im Ablauf, die uns im All­tag oft zum Ver­häng­nis wird. An die­sem Punkt im Ablauf wer­den oft schon Lösun­gen in die Run­de gewor­fen oder Vor­schlä­ge bewer­tet und gar dis­ku­tiert. Dazu ist es in der Regel viel zu früh. Die nega­ti­ven Effekte:

  • Lösun­gen wer­den aus der Hüf­te geschos­sen, ohne die Zusam­men­hän­ge genau beleuch­tet, erfah­ren oder ver­stan­den zu haben. Dann wird es zäh, Vie­les muss erklärt und kor­ri­giert werden.
  • Der­je­ni­ge, um den es geht, kommt zuneh­mend unter Druck, weil es sich anfühlt, als müs­se man sich dau­er­haft erklä­ren, gar recht­fer­ti­gen. Ande­re neh­men schein­bar die Hal­tung ein, mög­li­che Lösun­gen zu ken­nen – es bes­ser zu wissen.

Der zu frü­he Ein­stieg in die Lösungs­fin­dung ver­hin­dert, dass Infor­ma­tio­nen wei­ter flie­ßen kön­nen – dass alle Umstän­de deut­lich wer­den. Das Grup­pen­sys­tem ist in wech­seln­de Rich­tun­gen unter­wegs, kommt aus dem Rhyth­mus und dem Flow.

Urheber: garloon | 123RF Lizenzfreie Bilder #58116601 | http://de.123rf.com/profile_garloon | Fragezeichen | domino pieces forming question mark over wooden tableNütz­li­cher ist es, bei Fra­gen zu blei­ben. Die­se allein lösen schon eine Fül­le von Lösungs­an­sät­zen und neue Such­pro­zes­se beim Pro­blem­eig­ner aus.

Fragen, fragen, fragen – und in die Ecken leuchten

In der offe­nen Fra­ge­run­de wäh­rend der Infor­ma­ti­ons­pha­se geht es dar­um, alle mög­li­chen Details zu ent­hül­len. Was könn­te hier hilf­rei­cher sein, als Fra­gen zu stel­len? Hier sind ›ech­te Fra­gen‹ gefragt!

Wir haben es alles irgend­wann ein­mal gelernt: Offe­ne Fra­gen begin­nen mit Fra­ge­wör­tern – ›W‑Wörtern‹ wie hier: Wann, war­um, was, wem, wen, wer, wes­halb, wes­sen, wes­we­gen, wie, wie­so, wo, woher, wor­an, wozu.

Der Vor­teil offe­ner Fra­gen: Man erfährt mehr aus der Per­spek­ti­ve der Befrag­ten. Die Ant­wor­ten zeich­nen ein wesent­lich grö­ße­res, detail­rei­che­res Bild. Bei geschlos­se­ne Fra­gen blei­ben Ant­wor­ten rela­tiv frucht­los – wenn man nur mit Ja oder Nein ant­wor­ten kann.

Fragekompetenz ist eine entscheidende Führungsqualität

In der Infor­ma­ti­ons-Pha­se ler­nen Teil­neh­men­de mei­ner Ver­an­stal­tung eines der wich­tigs­ten Hand­werks­zeu­ge für die Kom­mu­ni­ka­ti­on: Fra­gen stel­len. Eine Fähig­keit, die essen­zi­ell und wert­voll ist für Ver­ständ­nis und Ver­stän­di­gung. Sie ist ein Füh­rungs­in­stru­ment und soll­ten bes­tens beherrscht werden.

Rich­tig fra­gen ist eine Her­aus­for­de­rung. Es hilft außer­or­dent­lich, wenn sich Fra­gen­de genau über­le­gen, was sie eigent­lich vom Gegen­über wis­sen wol­len. Ich beob­ach­te oft, dass nur eige­ne Annah­men über­prüft wer­den sol­len. Die lenkt den Befrag­ten zu sehr in eine bestimm­te Rich­tung. Die­se Gefahr besteht bei geschlos­se­nen Fra­gen mehr, offe­nen deut­lich weni­ger. Die­ses ten­den­ziö­se Risi­ko wird durch Grup­pen­in­tel­li­genz wei­test­ge­hend aus­ge­schlos­sen. Wenn auch nicht ganz.

Urheber: krasyuk | 123RF Lizenzfreie Bilder #30916334 | Werkzeug-Sammlung | many tools in tool box, isolated on white background | http://de.123rf.com/profile_krasyukFra­ge­kom­pe­tenz hilft im All­tag unge­mein – ob im pri­va­ten oder beruf­li­chen Umfeld. Wer fra­gen kann, hat das Füh­rungs­werk­zeug Num­mer 1 im Werk­zeug­kas­ten. Weder Coa­ches, The­ra­pie­ren­de, Bera­ten­de noch Ver­kaufs­ver­ant­wort­li­che kom­men ohne die­se Kern­kom­pe­tenz aus.

Wie schön wäre es, wenn es gelän­ge, ech­te, offe­ne Fra­gen zu stel­len und sich auf die Beschaf­fung von Infor­ma­tio­nen zu kon­zen­trie­ren. So erhiel­ten Bespre­chun­gen, Ver­än­de­rungs- oder Krea­tiv-Pro­zes­se ein wirk­lich soli­des Fun­da­ment für Ver­stän­di­gung und Verständnis.

Allein die­se Pha­se in einem Grup­pen­in­tel­li­genz-Kreis zu erle­ben lohnt schon den Besuch – und sich hier üben zu können.

Wie Grup­pen­in­tel­li­genz-Krei­se in der Krea­tiv-Pha­se arbei­ten, erläu­te­re ich Teil 3 die­ser Beitragsserie.

Fragen, Anregungen, Meinungen

Portrait Tom Müller ~ Gruppenintelligenz-Coach ~ DüsseldorfGibt es Anre­gun­gen, Mei­nun­gen, Ergän­zun­gen zu vita­len Bespre­chun­gen oder der Infor­ma­ti­ons-Pha­se? Ich freue mich auf Fra­gen, Reak­tio­nen und Kommentare.

Vie­len Dank.
Tom Mül­ler, Gruppenintelligenz-Coach

Komplette Beitragsserie

Alle Bei­trä­ge der Serie ›Wie Grup­pen­in­tel­li­genz bei Ver­än­de­run­gen hilft‹ hier:

Weiterführende Informationen

Feedback zu Gruppenintelligenz-Kreisen

Vie­le Teil­neh­men­de haben bestä­tigt, dass sich ihre The­men, Her­aus­for­de­run­gen, Auf­ga­ben und Pro­ble­me nach den Besu­chen eines Grup­pen­in­tel­li­genz-Krei­ses in Rich­tung (Auf-)Lösung bewe­gen. Manch­mal wie von selbst, schein­bar ganz leicht.

Rück­mel­dun­gen von Teilnehmenden …

Die nächsten Termine

Die nächs­ten Grup­pen­in­tel­li­genz-Krei­se in den Regionen …

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